Lassen ……… ist ein starkes Wort.
Mein Wesen ist seit langem relativ triggerfrei, es gibt nichts mehr, was mich derart aufregt, dass ich in diesen dämlichen Rausch verfalle. Ich kann mich allerdings noch gut an eine Vergangenheit erinnern, in der ich allzuviel festhielt……
Es war etwa 2001, als mir eine Exsistenzkrise der rabiaten Art, die Einsicht in das wahre Wesen der Gelassenheit näherbrachte. Meine Familie, meine Firma, meine Angestellten, kurz ALLES was meine damalige Exsitenz ausmachte, war durch ein Riesenloch, das die Insovenz eines Kunden verursachte, nicht mehr finanzierbar, gepaart mit einer Organisation, die jeden Monat hohe Verluste produzierte war das alles ziemlich hoffnungslos am abkacken. Ich wehrte mich verzweifelt dagegen, scheinbar mit allem was ich hatte . Nach Wochen der schaflosen Nächte, die Sorgen hielten mich wach, und arbeitsreichen Tagen war ich äußerlich zu einem Zombie von 80 kg abgemagert. Ich ernärte mich fast ausschließlich von Alk, Dope, feinen Pharmazeutika und Sanostol. Kurz ich war abartig nachhaltig getriggert.
Eines Tages schlief ich einfach mittags ein und wachte erst zwei Tage später wieder auf. Diese lange Nacht bescherte mir einen grundlegenden Wandel in meinem Denken. Bis dahin war ich ein grandioser Kontroletti, unterwegs mit der Illusion eines eigenen übermächtigen Willens, der alles kontrollieren wollte und dies auch versuchte. Aufgewacht bin ich mit der Gelassenheit der Zen-Mönche, wie ich heute weiß.
Unser Wollen ist wie das Licht des Mondes, wir sehen es IMMER wenn es Nachts scheint, können es aber nie greifen, selbst wenn es in einer Pfütze direkt vor uns erscheint verschwindet es, sobald wir zugreifen und das Wasser Wellen bildet. Es bleibt uns nur eines, es zu verinnerlichen um uns daran zu erinnern, dass es da ist.
Von da an schlaf ich bestens, wache morgens auf und erledige auch den am geringsten erscheinenden Pippifax OHNE mir Gedanken um etwas anderes, was zu tun wäre, zu machen. Mit vollem Bewusstein konzentriert auf dieses eine „Was gerade ist“. Das Licht meines Wollens beleuchtet meinen Weg, aber es beherrscht keinen Augenblick meines Seins im Hier und Jetzt mehr. Es wurde zu meinem Leitstern der Magiere. Magiere folgen diesem Stern nicht, sie ziehen ihn hinter sich her, denn er beleuchtet nur ihr Sein, er beleuchtet die Gelegenheiten, die Pfützen die zu ihrem „Wollen“ passen, die wir ergreifen können indem wir das Wasser schöpfen und trinken. Diese Pfützen sind übrigens ÜBERALL, aber nie IMMER. Es sind die Wasser des L(i)ebens und erscheinen nur temporär, etwas nach einem Regen. Daran ist nichts Geheimnisvolles. Ihre Wirkung entfaltet sich wie von selbst, denn es ist nur das Erkennen von Gelegenheiten, die man wahrnehmen kann. Sieht man es, so lässt man alles stehen und liegen und greift zu, man macht quasi eine kurze Pause um etwas zu schöpfen.
Seit dem gelingt mir alles was mir erstrebenswert erscheint und realisierbar ist mit spielerischer Leichtigkeit, selten jetzt gleich, aber immer wenn es an der Zeit ist. Ich kämpfte seit diesem Zeitpunkt auch nie mehr, wenn mich etwas angreift, geh ich einfach zur Seite. Ich fiel auch nie mehr denn mit der Fähigkeit des Seinlassens verfügt man auch über die Möglichkeit des hinfliegens. Stolpern verursacht nur noch ein sanfes hinstrecken.
Jede/r kann das, man braucht nur loszulassen was JETZT nicht erreichbar ist und viel Aufmerksamkeit für das was ist…… nicht nur ich nenn das ein gelassenes Dasein.
Gelassen erwacht man jeden Tag aufs neue und tut nebenbei was möglich erscheint. Dies ist der Zauber des gelassenen Gewöhnlichen.