Abgang

Ist schon irre, diese Gesellschaft hier, heutzutage.

Es gibt wohl keine gescheiten, gesellschaftlich anerkannte Konzepte, die einem eine Alternative zur „todpflegenden Gesundheitsindustrie“ bieten.

Ein würdevoller Abgang, begleiteter Selbstmord beispielsweise, ist offensichtlich dermassen verpönt, dass niemand etwas damit zu tun haben will, nicht mal gescheit diskutieren kann man darüber, sofort kommen irgendwelche Luschies an und schreien einem dieses doooooofe: „Kämpfe bis zum letzten, vielleicht geschieht ein Wunder!“ ins Gesicht und die Ärzte denken offensichtlich nur an den Verkauf teurer Nebenwirkungen.

Aber ey, es ist vollkommen normal, dass wir alle irgendwann kaputt gehen, die einen früher, die anderen später, je nach Lebensweise.
Ich?…… bin gefühlt eh schon ewig überfällig und wenn ich rausgugge, seh ich auch nix mehr, was mich in meinem Leben stets erfreute, alles von meiner Art, das Wilde, Menschen, Tieren und Pflanzen, von meinen dummen Artgenossen schon lange gemordet. Nirgendwo mehr ein alter Baum zu finden, mit dem ich über vergangene Jahrhunderte philosophieren könnte. Die Zombies gewannen den Krieg Mensch gegen Welt. Wir, meine Mannschaft und ich, haben eh schon verloren. Was soll ich also noch hier, ausser dem Rest meines Seins genüsslich ableben?

Ich persönlich hatte nie ein Problem mit dem Vergehen, und so macht mir das was da kommen mag keinerlei Angst. Aber die Schmerzen, denen würde ich gerne würdevoll entrinnen.

Die Frage, die sich mir gerade stellt, lautet: Lass ich mich operieren mit dem Wissen, dass ich mindestens n 1/2 Jahr, davon 2-3 Monate pflegebedürftig, brauche um wieder zusammenzuwachsen, mit der Option, dass ich danach wahrscheinlich impotent und im schlimmsten Fall mit einer(!) 2/3 Restniere leben muss, oder lass ich den Krebs wuchern, genieße noch 2-3 Jahre Restlaufzeit und morde mich selbst, wenn es denn unerträglich wird?
Wenn man sich in die Fänge der „Gesundheitsindustie“ begibt, unterschreibt man ja als erstes, dass man jegliche eigene Entscheidungsmöglichkeiten diesbezüglich an die behandelnden Ärzte, oder eine Person seines Vertauens ABTRITT.
Entmündigung ist für mich schrecklicher als der Tod.

Ich lebte mein L(i)eben ohne diesen verlogenen Mist namens glauben und hoffen, ich werd ganz bestimmt nicht auf meine alten Tage damit beginnen. Es wäre mir sehr peinlich, am Ende doch noch zu nem hoffenden, gläubigen Wimmerwürmchen zu verkommen und irgendwelche Götter um Gnade anzuwinseln. Ich lebte ein erfülltes Dasein und hab tatsächlich alles durch, was mir wirklich wichtig war. Jetzt werd ich noch n paar Erwartungen, die an mich gestellt werden, enttäuschen, was zu merkwürdiger Trauer führen wird, aber ey, es ist wie es ist: Wer früh stirbt, ist auch nur n bisschen länger tot.

Ein Kommentar zu „Abgang

  1. „Keine Kommentare – füge den ersten hinzu!“ … steht da. Hmmm … habe keine Worte, stimme dem, was du da sagst im Großen und Ganzen zu und setze dafür ein Like. Was für eine Frage aber auch, die da für dich im Raum steht und kann dein „Entmündigung ist für mich schrecklicher als der Tod.“ durchaus nachvollziehen (habe das vergangene Jahr vier mir nahestehende Menschen zu Grabe getragen; vor ein paar Tagen erst einen noch jungen, erst 45jährigen Mann, der einen vierjährigen Kampf mit dem Tod ausfocht bzw. dieser mit den Fängen des Gesundheitswesens seine liebe Not hatte.). Was zu tun ist, kannst nur du für dich selbst entscheiden, das kann dir niemand abnehmen ~ auch welcher helfenden Hand du die deine reichst, wem du dich anvertraust. Alles LIEBE Dir ~zartgewebt

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